Annalen des Ernst-Schneider-Preises

Die Jahre 2010 bis 2019

2010

2010 bestimmt die Finanz- und Wirtschaftskrise die Themenagenda. Der Wettbewerb ist erneut gewachsen, 1.100 Beiträge und Serien waren zu sichten und zu bewerten. Wir berufen erneut neun Vorjurys ein, die den drei Schlussjurys zuarbeiten. Die Preisverleihung findet in der Frankfurter Börse statt. Michael Best (ARD Börsenredaktion) moderiert.

Im Frühjahr haben wir eine bundesweite Umfrage unter 330 Wirtschaftsjournalisten und Chefredakteuren über ihre Arbeitsbedingungen und ihre Einschätzung zur Entwick­lung der Wirtschaftsberichterstattung gemacht. Eins der Ergebnisse: Eine wachsende Anzahl von Journalisten glaubt, dass die Bedeutung des Wirtschaftsjournalismus weiter steigen wird. Fast zwei Drittel aller Befragten wünschen sich aber mehr Zeit für die Recher­che und Aufbereitung ihrer Themen. Insbesondere Fernsehen (72 Prozent) und Hörfunk (65 Prozent) räumen nach Ansicht der Journalisten Wirtschaftsthemen nicht genügend Raum ein.

Zur Jahresmitte: Stellungnahme zur Entwicklung der Wirtschaftsberichterstattung. Hauptkritikpunkt war, dass selbst so außergewöhnliche wirtschaftliche Ereignisse wie Bankenzusammenbrüche und ein 750 Milliarden-Rettungsschirm zur Stützung des Euro nicht zu tagesaktuellen Sondersendungen führten. Die ARD machte z.B. lediglich einen „Brennpunkt“ zur Griechenlandkrise, hatte aber z.B. zum Kosovo-Krieg 72 „Brennpunkte“ produziert.

Im Sommersemester hat der Geschäftsführer des ESP e.V. an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die den bundesweit einzigen Studiengang für „Technikjournalismus“ anbietet, einen Lehrauftrag.

Dem ESP e.V. tritt die IHK Nürnberg bei.

2011

2011 ist der Wettbewerb erneut gewachsen, allein hinter den knapp 30 Einreichungen zum neuen Onlinepreis lagen 350 Artikel, Audiofiles, Grafiken und Videos. Wir haben neben neun Vorjurys erstmalig 4 Schlussjurys einberufen. Die Onlinejury war besonders prominent besetzt mit den Chefredakteuren von Spiegel online, stern.de und dpa.infocom. Die Zeitungsjurys haben in Passau, Aachen, Berlin und Hanau mit verschiedenen Chefredakteuren, Verlegern und auch Hauptgeschäftsführern getagt. Die Fernsehjurys arbeiteten beim rbb in Cottbus, beim SWR in Stuttgart und beim BR in Nürnberg. Die Hörfunkjurys kamen beim bei der Deutschen Welle in Bonn und be Radio Köln zusammen.

Zum 40-jährigen Jubiläum des Ernst-Schneider-Preises mietete die IHK Köln als Ausrichterin die Vulkanhalle: fast 700 Zusagen, darunter mehrere Minister, verschiedene Generalkonsule, 3 Intendanten, den Chefredakteur des Spiegel, vieler Sender, die Spitzen des DIHK und vieler IHKs. Die Kunsthochschule für Medien Köln produzierte den Film „9,6%“ und machte Lichtinstallationen in der Halle.

Die geplante Studie zum Verhältnis Fernsehen – Internet, zur Interaktivität der Zuschauer ließ sich nicht realisieren. Die Untersuchung sollte die Frage beantworten, in welchem Umfang es den Sendern gelingt, Zuschauer auf ihre Internetseiten zu holen und welcher (wirtschaftlicher) Mehrwert dort geboten wird. Crossmediale Effekte, also Internetaufrufe nach vorangegangener Fernsehsendung, ließen sich (angeblich) nicht ermitteln. Daraufhin wird eine Studie zu Wirtschaft in den Boulevardmedien in Auftrag gegeben. Außerdem produzierten wir die Broschüre “Wirtschaft lebendig und begreifbar machen”.

Zur Jahresmitte haben wir unsere Stellungnahme zur Entwicklung der Wirtschaftsberichterstattung den Sendern und Landesmedienanstalten zugeleitet – und viel Resonanz bekommen. Im Vorjahr hatten wir den Fernsehsendern mangelnde Aktualität vorgeworfen. Das hat sich geändert. Jedenfalls im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen geht mit Thementagen und -wochen sowie Sondersendungen seit einigen Monaten deutlich stärker auf wirtschaftliche Ereignisse ein. Es berücksichtigt, dass Euro­krise, Staats­verschuldung oder Energiewende die Entwicklung der Gesellschaft nachhaltig beeinflussen. Insofern hat die IHK-Kritik etwas bewirkt!

2012

2012 wurden 9 Vorjurys und 4 Schlussjurys einberufen. Im Wettbewerb waren rund 1.300 Beiträge. Immer deutlicher zeigt sich, dass gerade die Jurys mit Zeitungsjournalisten einen unmittelbaren Nutzen für IHKs haben, weil man sich bei diesem Anlass gut über die lokale Wirtschaftsbericht­erstattung unterhalten kann. So haben sich bei den Vorjurys Print vier Mal HGFs mit den Chefredakteuren der örtlichen Zeitungen getroffen. Diese Sitzungen in Chemnitz, Halle, Osnabrück und Mannheim waren durchweg fruchtbar. Die eingereichten Beiträge lieferten manche Anstöße für die eigenen Blätter.

Die Fernsehjurys arbeiteten bei der Deutschen Welle in Berlin, beim ZDF und im Lokalstudio Wuppertal des WDR. Die Hörfunkjurys tagten in Konstanz und beim NDR in Lübeck. Die Schluss­jurys kamen in Berlin zusammen, unter anderem beim rbb und im ZDF-Hauptstadtstudio. Die Jurys haben strenge Maßstäbe angelegt. Kein Preis gab es in der Kategorie Fernsehen Kurzbeitrag. Aufgrund der hohen Qualität der Beiträge diskutierten die Juroren wie Bettina Schausten und Dagmar Reim lange und leidenschaftlich.

Im Sommer führte der ESP e.V. eine bundesweite Umfrage unter 427 (Vorjahr 416) Wirtschaftsjournalisten und Chefredakteuren über ihre Arbeitsbedingungen und ihre Einschätzung zur Entwick­lung der Wirtschaftsberichterstattung durch. Die Stellungnahme zur Entwicklung der Wirtschaftsberichterstattung erfuhr eine große Resonanz unter den Rundfunkintendanten.

Der Vorstand in der Besetzung Dr. Walter Richtberg, Dr. Dagmar Gaßdorf und Peter Esser wird einstimmig wiedergewählt. Für den ausscheidenden Dr. Herbert Ferger wird als Schatzmeister der Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, Ulf Reichardt gewählt.

2013

2013 wurden erneut 9 Vorjurys und 4 Schlussjurys einberufen, um die große Anzahl von Einreichungen qualifiziert zu bewerten.

Die Printjurys kamen in Neubrandenburg, Essen, Leipzig und Magdeburg zusammen – zumeist mit HGFs und Chefredakteuren der örtlichen Zeitungen. Das waren arbeitsreiche und anregende Begegnungen. Die Fernsehjurys arbeiteten beim Bayerischen Rundfunk in München, im Lokalstudio Duisburg des WDR und unter Beteiligung des Hessischen Rundfunks in Frankfurt. Die Hörfunkjurys tagten beim MDR in Suhl und beim Privatsender Radio Emscher-Lippe in Gelsenkirchen. Die Schluss­jurys arbeiteten in Münster, Gelsenkirchen, Dortmund und Köln.

Im restaurierten Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen, dem wichtigsten Gebäude des Expressionismus im Ruhrgebiet, wurden vor 500 Gästen unter der Moderation von Jörg Thadeusz 11 Preise in 10 Kategorien verliehen. Es waren Beiträge, die das aktuelle wirtschaftliche Themenfeld abdeckten.

Die IHKs Osnabrück und Bayreuth sind dem ESP e.V. als 70. und 71. IHK beigetreten sind. Bis auf zwei IHKs (München und Hannover) unterstützen nun alle Industrie- und Handelskammern den ESP e.V.

2013 wurde wieder eine wissenschaftliche Studie erstellt. Das Rheingold Institut ging der Frage nach, warum viele Berichte über Wirtschaft negativ und selektiv sind. Psychologen ergründeten dazu das Erleben und die Vorstellungen von Wirtschaft bei Journalisten. Die Ergebnisse zeigen, dass das unbewusste Bild der Wirtschaft das einer nahezu dämonischen Übermacht ist: Wirtschaftsjournalisten erleben in der Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema Ohnmacht und Unbehagen. Außerdem färben Journalisten die Sicht auf die Wirtschaft und rücken von dem eigenen Anspruch auf Objektivität ab.

2014

2014 organisierten die drei sächsischen IHKs Chemnitz, Dresden und Leipzig die Preisverleihung in der Media City Leipzig. Durch die Preisverleihung führte vor 400 Gästen Maybrit Illner. Die Intendantin des MDR übernahm eine Laudatio, ebenso der Intendant von Radio Bremen, die Chefin von Phoenix und auch der Grandseigneur des investigativen Zeitungsjournalismus, Hans Leyendecker.

VDMA und VDW erklärten, ab 2015 auf den Technikpreis verzichten zu wollen, da sie andere, teure Bildungsaktivitäten mit Schulen planen. Die IHK Coburg trat dem ESP e.V. bei. Für den Bayerischen Rundfunk organisierte der ESP e.V. ein 3-tägiges Intensivsemimar für die Volontäre des Senders. Der ESP e.V. legte sich einen Twitter-Account zu.

2015

2015 wurde die Preisverleihung von der Handelskammer Hamburg im Rahmen ihres 350-jährigen Bestehens ausgerichtet. Jörg Thadeusz moderierte die von 500 Gästen besuchte Preisverleihung. Lutz Marmor, Intedant NDR, und Olaf Scholz, Erster Bürgermeister Hamburgs, nahmen am Eingangsgespräch teil. Laudationes übernahmen unter anderem Birgit Wentzien, Chefredakteurin DLF, Sonja Schwetje, Chefredakteurin n-tv, Brigitte Fehrle, Chefredakteurin Berliner Zeitung, und Lars Haider, Chefredakteur Hamburger Abendblatt.

Die IHK München sagte eine Spende von 10.000 Euro zu. Die Vollversammlung der IHK Braunschweig stimmte für eine Vollmitgliedschaft ab 2016. Für den Bayerischen Rundfunk organisierte der ESP e.V. ein 3-tägiges Intensivseminar für die Volontäre des Senders. Der ESP nahm am Merkurtreff in der IHK Kiel und am Medientreffen der IHK Karlsruhe teil. Anfang des Jahres ging die neue Website des ESP e.V. online. Ebenso ergänzen nun Facebook- und Google+-Seiten das Social Media Profil.

2016

2016 ist die IHK Braunschweig dem Trägerverein als 72. IHK beigetreten. Die IHKs Bochum und Suhl kündigten die Mitgliedschaft. Die Kündigungen werden 2018 wirksam.

Die Preisverleihung wurde von der IHK Karlsruhe ausgerichtet. Die Feier fand im Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM) statt, das durch seine spektakuläre Licht- und Lasershow die 500 Gäste beeindruckte. Susan Link, ARD Morgenmagazin, moderierte die Veranstaltung. Die Preisbegründungen sprachen unter anderem Peter Boudgoust, Intendant des SWR, Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen, Christine Strobl, Geschäftsführerin der Degeto, Werner D’Inka, Herausgeber der FAZ und sein Kollege, Wolfgang Krach, der Chefredakteur Süddeutschen Zeitung.

Für den Bayerischen Rundfunk organisierte der ESP e.V. ein 3-tägiges Intensivsemimar für die Volontäre des Senders. Der Twitter-Kanal des ESP hat nun über 200 Follower.

Der Vorstand wird neu gewählt. Dr. Walter Richtberg und Dr. Dagmar Gaßdorf scheiden auf eigenen Wunsch aus. Peter Esser wird einstimmig zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Prof. Dr. Kristina Sinemus wird die neue stellvertretende Vorsitzende. Frau Prof. Sinemus ist geschäftsführende Gesellschafterin der Genius GmbH und Präsidentin der IHK Darmstadt. Den Vorstand komplettieren Dr. Achim Dercks, stv. Hauptgeschäftsführer des DIHK, als Schatzmeister, Dr. Robin Houcken, Geschäftsführer der Nordpol+Hamburg Agentur für Kommunikation, Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, und der Geschäftsführer des Ernst-Schneider-Preises, Christian Knull.

2017

2017 Die IHK Frankfurt möchte aus dem Verein austreten und stattdessen auf die Spenderseite wechseln.

Für den WDR organisierte der ESP e.V. ein 3-tägiges Seminar für die Volontäre des Senders. Vorwerk sowie das Unternehmen des Präsidenten der SIHK Hagen werden besucht.

Die Preisverleihung wurde vom DIHK ausgerichtet. Zur Feier in den Berliner Bolle-Festsälen fanden sich 300 Gäste ein. Mitri Sirin, Morgenmagazin, moderierte die Veranstaltung. Zum Auftaktgespräch kamen Peter Esser, ESP Vorstand, und Patricia Schlesinger, Intendantin rbb, zusammen. Die Laudationes wurden unter anderem von Jochen Wegner, Chefredakteur Zeit Online, Ralf Geisenhanslüke, Chefredakteur Neue Osnabrücker Zeitung, Christoph Singelnstein, Chefredakteur rbb, und Sven Gösmann, Chefredakteur dpa gehalten.

2018

2018 wird Dr.Hartmut Spiesecke am 25. April in Leipzig zum neuen Geschäftsführenden Vorstandsmitglied gewählt. Christian Knull verlässt den Ernst-Schneider-Preis Ende Juni.

Die Preisverleihung wurde von der IHK Nürnberg für Mittelfranken ausgerichtet und fand am 15.10. im Germanischen Nationalmuseum statt. Die von Barbara Hahlweg moderierte Veranstaltung fand großen Applaus der etwa 300 Gäste. Zu den Laudatoren zählten u.a. Beat Balzli (Chefredakteur Wirtschaftswoche), Julia Bönisch (Chefredakteurin Süddeutsche) und Nils Kawig (Chefredakteur Thüringische Landeszeitung).

2019

Erstmals werden die Einreichungen ausschließlich digital entgegengenommen und auch digital an die Jurymitglieder individuell ausgespielt. Dies spart der Geschäftsstelle massenhaft Papier und Arbeitsaufwand. Die Zahl der eingereichten Beiträge sinkt auf immer noch stolze 600. Erstmals wird ein Sonderpreis für besondere wirtschaftspublizistische Leistungen vergeben, die bisherige Kategorie „Innovation und Unterhaltung“ aufgelöst.


Die Preisverleihung wird auf Einladung der rheinischen IHKs während einer Schifffahrt auf dem Rhein von Düsseldorf nach Köln verliehen. Moderatorin ist Katty Salié.


Nach dem Ausscheiden von Dr. Kristina Sinemus, die zur Staatsministerin des Landes Hessen berufen wurde, wird Rosie Schuster, Geschäftsführerin der techcast GmbH, München, als stellvertretende Vorsitzende gewählt.